Sonntag, 27. Januar 2013

AN DIESEN TAGEN


Sie

Sie ist Mitte Dreißig, mittelgroß, schlank, aber nicht dünn, hat
dunkelbraune, schulterlange Locken, einen schönen, runden Busen,
schlanke Beine und dunkle, fast schwarze Augen. Sie kommt aus einer alt
eingesessenen Familie. Ihr Urgroßvater hatte eine Apotheke gegründet,
die mit dem Bedarf und der Stadt gewachsen war und sich unter der
Leitung ihres Vaters und später auch mit ihr an der Spitze zur größten
Kette in der Stadt entwickelte.

Ihre Eltern hatten sich getrennt, als sie gerade vier Jahre war. Die
heftigen Auseinandersetzungen während der Trennung hatten ihr Angst
gemacht. Sie versteckte sich dann am liebsten unter dem großen Tisch im
Esszimmer. Ihre Mutter wollte nicht ihr ganzes Leben damit zubringen,
tagein - tagaus in der Apotheke zu stehen. Sie zog mit einem
Schauspieler nach Amerika und die Familie hörte nie wieder etwas von
ihr, hatte der Vater ihr später einmal erzählt.

Als sie schon fast achtzehn war, hatte ihr Vater wieder geheiratet. Eine
sehr nette Frau, mit der sie sich nach anfänglichen Schwierigkeiten
ganz gut vertrug. Sie hatte einen Jungen mit in die Ehe gebracht, über
Nacht war sie zur großen Schwester geworden und kam mit dieser Rolle
gut zurecht. Die beiden Kinder mochten sich auf Anhieb sehr gerne.

Nach zehn Jahren kamen die Schicksalsschläge. Zunächst verstarb ihr
Vater schnell und völlig unerwartet an einem aggressiven Hautkrebs,
nicht einmal ein Jahr später verstarb ihre Stiefmutter an einem
Gehirntumor. Mit Ende Zwanzig stand sie plötzlich alleine, mit ihrem
jüngeren Stiefbruder im Leben. Aber alles ging erstaunlich gut. Sie
hatte ein gutes Händchen und Glück bei der Leitung der Firma, ihr
Bruder brachte sein Studium zu einem guten Abschluss und stieg als
Geschäftsführer mit in die Firma ein.

Zum Heiraten hatte sie keine Zeit, keine Lust oder nicht den richtigen
Partner gefunden. Die meisten Männer, die sie kennenlernte, liefen
meist aus Angst vor ihrer ausgeprägten Selbstständigkeit und ihrer
starken Persönlichkeit davon, die anderen jagte sie selbst zum Teufel.
Jetzt, mit Mitte Dreißig, war sie mit ihrem Leben ganz zufrieden. Mit
ihrem Bruder bildete sie ein sehr gutes Team, er übernahm viele
Aufgaben von ihr, und sie hatte zum ersten Mal im Leben genügend Zeit
für ihre eigenen Interessen.

Über eine enge Freundin, mit der sie vor einigen Jahren eine kurze aber
sehr intensive Beziehung hatte, bekam sie Kontakt zur Firma All for You
und pflegte seitdem eine für beide Seiten zufriedenstellende
Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen.

Er

Er ist groß, sportlich, Ende Dreißig und attraktiv. Als Devisenhändler
hatte er für diverse Banken auf der ganzen Welt gearbeitet, zuletzt in
einem Emirat an der Golfküste. Er verdiente sehr gut, sein Arbeitstag
dauerte aber regelmäßig 12-14 Stunden, oft auch länger, wenn
Geschäftsessen oder die Turbulenzen an den internationalen
Finanzmärkten es verlangten. Dazu die häufigen Umzüge, immer wieder ein
Neubeginn in einer fremden Stadt - ein richtiger Freundeskreis konnte
sich dadurch nie bilden. Das waren wohl auch die wesentlichen Gründe
für das Scheitern seiner Ehe.

Sie hatten sich bei der Arbeit in der Bank kennengelernt, schnell
geheiratet und am Anfang auch dieses Jetset-Leben sehr genossen. Aber
irgendwann hatte seine Frau keine Lust mehr dazu, war ein Jahr in
Deutschland geblieben, während er am Golf war, und hatte erfolgreich
eine kleine eigene Firma aufgebaut. Einen Relocation Service, der
Geschäftsleute bei Umzügen unterstützte, Wohnungen besorgte,
Behördengänge erledigte und sich um sonstige Formalitäten kümmerte.

Auf sexuellem Gebiet hatten er und seine Frau sich schon lange
auseinander gelebt. Sie wollte am liebsten Blümchensex, er brauchte
spannendere Spielarten, um von seinem harten Job und dem Stress Abstand
zu bekommen. Ein paar Mal im Jahr am Wochenende zum Shoppen oder dem
Besuch der besten Restaurants in den Metropolen dieser Welt - maximal
eine Woche Urlaub im Sommer, den er lieber beim Segeln, sie lieber auf